STOLPERSTEINE

Machen Sie mit bei der Tübinger Stolperstein-Initiative

Termine zu den STOLPERSTEINEN:

  • Ø Donnerstag, 14. September, 17.00 Uhr, Sondersitzung des Kulturausschusses, Sitzungssaal des Tübinger Gemeinderats: öffentliche Anhörung der Tübinger Stolperstein-Initiative
  • Ø Montag, 18. September, 17.00 Uhr: Beschlussfassung im Kulturausschuss über die weitere Verlegung von Stolpersteinen in Tübingen

Dienstag, den 19. September, 19.00 Uhr: Sitzung der Stolperstein-Initiative im Clubraum der DB-Kirche, Berliner Ring 12 (Waldhäuser-Ost): herzliche Einladung!

 

„Stolpersteine“ oder Erinnerungs-Stelen? Antrag an den Tübinger Gemeinderat

Tübingen, den 24. Juli 2017

Sehr geehrte Mitglieder des Tübinger Gemeinderats,

eine Information vorneweg: die Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirchen in Tübingen (ACK) hat sich in ihrer Sitzung am 20.06.2017 einstimmig und mit Nachdruck für die Verlegung von weiteren Stolpersteinen in unserer Stadt ausgesprochen.

Unsere Erste Bürgermeisterin Frau Dr. Christine Arbogast hat Ihnen den Vorschlag von Herrn Prof. Dr. Reinhold Boschki von der katholisch-theologischen Fakultät der Universität Tübingen zur Diskussion zugesandt. Professor Boschki wirbt für von ihm patentierte Erinnerungs-Stelen als Alternative zu den von uns vorgeschlagenen Stolpersteinen. Sein Vorschlag stellt damit eine bundesweite Vorreiter­schaft Tübingens in Aussicht.

Dazu nehmen wir aus Sicht der Tübinger Stolperstein-Initiative folgendermaßen Stellung:

Stolpersteine, kleine kubische in den Straßenboden eingelassene Mahnmale, sind europaweit eingeführt – in nächster Umgebung in Rottenburg, Reutlingen und Horb.

  1.  Sie sind ein von vielen Menschen und Institutionen getragenes internationales Versöhnungsprojekt. Der SWR2 ging in einem großen Hörfunkprojekt von November 2013 bis 8. Mai 2015 im seinem gesamten Sendegebiet einzelnen Lebensgeschichten nach, die sich zwischen Geburts- und Todesdatum hinter Stolpersteinen verbergen.
  2. Seit 2011 gibt es in der Tübinger Südstadt 26 solcher Steine, die ein individuelles Gedenken an hiesige jüdische Opfer der nationalsozialistischen Verfolgung an ihrem letzten frei gewählten Wohnsitz ermöglichen.
  3. Seit 2016 gibt es außerdem 16 Geschichtspfad-Stelen zum Nationalsozialismus in Tübingen.
  4. Zusätzliche Erinnerungs-Stelen für jüdische Opfer würden

- die Einheitlichkeit beider Stelenkomplexe stören, also eher verwirren als verdeutlichen,

- die Kontiunität des Verfahrens in Südstadt und Altstadt verhindern,

- in ihrer Raumaufteilung weniger Platz bieten, also nicht praktikabel sein.

6.   Die von Professor Boschki vorgeschlagene ein Meter hohe sowie dreieckige Erinnerungs-Stele enthält ein beschreibbares Text-Dreieck von nur 12 cm Seitenfläche. Damit bietet sie weniger Platz für die Schicksalsdaten einer einzigen Person als ein Stolperstein mit einem quadratischen Textfeld von 10×10 cm. Bei mehreren NS-Opfern in einem Haus bzw. in einer Familie bräuchte man mehrere Stelen oder man müsste das Textfeld und damit auch die Stele vergrößern. Somit würde das die Planung, die bauliche Realisierung und auch die Kosten viel aufwändiger machen.

7.   Die Zustimmung für die Verlegung von Stolpersteinen von den Nachkommen von vier ehemaligen Tübinger jüdischen Familien, nämlich den Familien Schäfer, Wochenmark, Bernheim und Pollak liegen bereits vor.

Daher bitten wir den Tübinger Gemeinderat, die Verlegung von weiteren Stolpersteinen in Tübingen zu genehmigen und uns damit die Möglichkeit zu geben, das vor sechs Jahren von der Bürgerschaft in der Südstadt begonnene Projekt in der Innenstadt weiter zu führen.

Mit freundlichen Grüßen

Günter Häfelinger

Sprecher der Tübinger Stolperstein-Initiative

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