STOLPERSTEINE

Informieren und engagieren Sie sich
bei der Tübinger Stolperstein-Initiative!

Der Kulturausschuss der Stadt Tübingen hat grünes Licht für die Verlegung von Stolpersteinen in der Innenstadt gegeben. Die erste Realisierung des bürgerschaftlichen Projekts ist ganztägig für den 10. Juli (Dienstag) 2018 an acht Stellen mit 31 Stolpersteinen geplant.

Termine der Stolperstein-Initiative zur Vorbereitung der Verlegung im Februar und März 2018:

  • Dienstag, 6. März, 19.00 Uhr
  • Dienstag, 27. März, 19.00 Uhr
  • Dienstag, 24. April, 19.00 Uhr

Die Tübinger Stolperstein-Initiative trifft sich regelmäßig im Clubraum der Dietrich-Bonhoeffer-Kirche, Berliner Ring 12 (Waldhäuser-Ost). Alle interessierten Tübinger sind zur Mitarbeit jederzeit und herzlich willkommen.

Kontakt:
Prof. Dr. Günter Häfelinger
Eichenweg 3
72076 Tübingen
Tel. 07071/600519
E-Mail: guenter.haefelinger@uni-tuebingen.de

Spenden:
Bitte überweisen Sie Ihre Spende mit dem Kennwort „Stolpersteine“ auf das Konto der Dietrich-Bonhoeffer-Gemeinde bei der Kreissparkasse Tübingen:
IBAN: DE 74 6415 0020 0000 2372 37

(Wenn Sie auf dem Überweisungsformular Ihre Adresse angeben, erhalten Sie einen Dankbrief sowie bei einer Spende über 200 € eine Spendenbescheinigung. Bei einer Spende bis 200 € genügt für das Finanzamt der Konto-Auszug.)

31 Stolpersteine werden am 10. Juli 2018 an 8 Stellen in der Tübinger Innenstadt verlegt.

Seit 2016 gibt es in Tübingen eine private Stolperstein-Initiative, die sich, in Ergänzung der 26 Stolpersteine in der Südstadt, für die Verlegung weiterer Stolpersteine in der Tübinger Innenstadt einsetzt. Die Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirchen (ACK) in Tübingen hat im Juni 2017 dem Anliegen dieser Initiative „einstimmig und mit Nachdruck“ zugestimmt und hat die Kollekte beim Gedenkgottesdienst zur Reichspogromnacht am 9.11.2017 in der Stiftskirche für diesen Zweck bestimmt. Der städtische Kulturausschuss von Tübingen hat am 14. September 2017 dem Antrag auf Verlegung von Stolpersteinen mit großer Mehrheit zugestimmt.

Bei den Stolpersteinen handelt es sich um ein europaweites Erinnerungs- und Kunstprojekt des Kölner Künstlers Gunter Demnig. In 22 Ländern in Europa sind es jetzt etwa 61 000 solcher Steine, die an verfolgte, vertriebene und ermordete jüdische Bürger sowie an andere Opfer des Nationalsozialismus erinnern. Auf zehnmal zehn Zentimeter großen Messingplatten sind der Name, die Lebensdaten und die Umstände des Todes bzw. der Emigration des Menschen eingraviert.

Es ist geplant, am 10. Juli 2018 insgesamt 31 Stolpersteine im Gehweg vor den jeweiligen Wohnhäusern der ehemaligen jüdischen Mitbürger durch Herrn Demnig verlegen zu lassen.

Was die Finanzierung des Projekts angeht, haben wir für die Verlegungskosten bisher Spendenmittel in Höhe von ca. 6000 € eingeworben. Zusätzlich zur Verlegungszeremonie wollen wir auch ein Besuchsprogramm für die eingeladenen Nachkommen der ehemaligen jüdischen Tübinger organisieren und finanzieren. Wir erwarten Gäste aus Israel, USA, England und Frankreich. Ein Stolperstein kostet mit Verlegung zwar nur120 €, doch reichen die Mittel nicht aus um die Gesamt-Kosten zu decken. Wir wollen für alle auswärtigen Gäste für die Zeit vom 9.7. bis 12.7.2018 möglichst die Übernachtungskosten, die Verpflegung und das Begleitprogramm finanzieren. Wir danken den zahlreichen Spendern und bitten freundlich um weitere Spenden. Die dazu notwendige Information ist unserem Flyer zu entnehmen.

Die Stolpersteine werden am 10.7.2018 an folgenden Orten verlegt:

1) Neue Straße 1:
Vor dem Modehaus Eduard Degginger (spätere Firmen Haid und New Yorker) für dessen Nachfolger-Familien Oppenheim und Schäfer insgesamt 9 Stolpersteine für:
Jakob Oppenheim, Ehefrau Karoline Oppenheim, geb. Seemann, Sohn Dr. med. Heinz Oppenheim, Ehefrau Dorothee Oppenheim, geb. Hayum, Tochter Gertrud Oppenheim, [5 Stolpersteine für Familie Oppenheim].
Albert Schäfer, Ehefrau Selma Schäfer, geb. Seemann, Herta Schäfer, Liselotte Schäfer, verh. Michal Wager, [4 Stolpersteine für Familie Schäfer].

2) Wöhrdstr. 23:
4 Stolpersteine für Familie Josef Wochenmark (Vorsänger, Religionslehrer): Dr. phil. Josef Wochenmark und Ehefrau Bella Wochenmark, geb. Freudenthal, Alfred Wochenmark (Mark), Arnold Wochenmark (Marque).
 
3) Stauffenbergstr. 27:
4 Stolpersteine für Familie Bernheim (Jüdischer Frauenverein): Adolph Bernheim, Ehefrau Hanna Bernheim, geb. Bach, Tochter Doris Bernheim, verh. Doctor, Sohn Hans Bernheim.
 
4) Kelternstr. 8:
2 Stolpersteine für die Geschwister Pagel: Dr. Albert Pagel und seine Schwester Charlotte Pagel.

5) Mauerstr. 46:
2 Stolpersteine für die Geschwister Reinauer: Philippine Reinauer und Sofie Reinauer.

6) Keplerstr. 9: 1 Stolperstein für Klara Wallensteiner, geb. Reichenbach.
 
7) Österbergstr. 21/2:
1 Stolperstein für Familie Sigmund Weil (Verlag Tübinger Chronik) für Rosalie Weil, geb. Herrmann.
 
8) Keplerstr. 5:
6 Stolpersteine für Familie Pollak [6 von 8 Frauen]:Pauline Pollak, geb. Heidelberger, Selma Pollak, Rosa Pollak, verh. Kappenmacher, Therese Kappenmacher, Mathilde Pollak, verh. Fechenbach, Clara Pollak, verh. Dreyfuss

Kriterien der Tübinger Initiative für die Verlegung von Stolpersteinen

Eine enge Festlegung der Stolpersteine für NS-Opfer, die von Tübingen aus (als ihrem letzten frei gewählten Wohnort) geflohen oder deportiert wurden, ist nach dem Beschluss des städtischen Kulturausschusses nicht begründet. Gunter Demnig, der Initiator der europaweiten Stolperstein-Konzeption, sieht kein Problem darin, auch Opfer zu benennen, die Tübingen bereits vor 1933 verlassen haben, wenn die Familie in Tübingen integriert war. Nach Rücksprache mit verschiedenen Stolperstein-Initiativen in anderen Städten stellte sich heraus, dass jede Initiative ihre eigenen Kriterien festlegt. Es gibt kein allgemein verbindliches Konzept. Inzwischen werden auch schon mancherorts Stolpersteine genehmigt und verlegt, wenn Nachkommen von NS-Opfern dies  mit nachvollziehbarer Begründung für ihre früheren Verwandten beantragen.

Wir haben uns, in Übereinstimmung mit dem Kulturausschussbeschluss, auf folgende Kriterien für Tübingen festgelegt:

1) Wir beziehen uns auf die Forschungsergebnisse in den Büchern von Lilli Zapf und „Zerstörte Hoffnungen“ der Geschichtswerkstatt.

2) Wir gedenken aller jüdischer Familien-Mitglieder mit Stolpersteinen, deren Namen im Tübinger Denkmal Synagogenplatz für die Zeit von 1931 bis 1945 aufgeführt sind. In drei Fällen (s.u.) weichen wir davon ab.

3) Das wichtigste inhaltliche Kriterium ist, dass die Familie in dieser Zeit ihren Lebensmittelpunkt in Tübingen hatte, und dass nach Möglichkeit die ganze Familie mit allen Mitgliedern berücksichtigt wird. Eine zu enge Festlegung führt zu willkürlichen Lücken in manchen Familien, die dadurch auseinander gerissen werden.

Am Beispiel der Familie Pollak wir das deutlich: Von acht Familienmitgliedern sind nur  vier Namen am Synagogenplatz aufgeführt. Bei der Stolpersteinvergabe unter Anwendung der engen Kriterien könnten nur vier  Stolpersteine (für Pauline, Selma, Rosa und Therese) gesetzt werden.  

Wir wollen diese aber ergänzen mit zwei weiteren Stolpersteinen für

  • Clara Dreyfuss, geb. Pollak : Sie ist 1931 von Tübingen nach Karlsruhe gezogen und von dort 1940 deportiert worden, ist aber am Synagogenplatz nicht aufgeführt . Sie hat auch in Karlsruhe keinen Stolperstein erhalten
  •  und für Mathilde Fechenbach, geb. Pollak. Sie ist schon 1929 nach Würzburg gezogen. Sie hat dort ebenfalls keinen Stolperstein erhalten und ist auch nicht am Tübinger Synagogenplatz aufgelistet. Deren Tochter und Enkelin sind  unsere Kontakt-Familien. Können wir diese nur zur Stolperstein-Verlegung für Ihre Verwandten einladen, ohne einen Stolperstein für Mathilde zu verlegen?

Eine weitere Ausnahme bildet Rosali Weil, für die uns ihre Großnichte Véronique Dubois um einen Stolperstein gebeten hat. Hier liegt eine doppelte Verfolgung vor: Sie wurde zunächst 1903 von Tübingen aus als psychisch Kranke in Schussenried weggesperrt und dann 1940 von dort aus in Grafeneck ermordet. Sie ist ebenfalls nicht am Denkmal Synagogenplatz aufgelistet, aber wir wollen ihr einen Stolperstein an ihrem Heimatort einen Stolperstein setzen.

 

Hier können Sie den aktuellen Flyer der Stolperstein-Initiative abrufen:

Stolpersteine Flyer